Du

Ich erinnere mich an jedes Detail, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich die Schwelle deiner Tür überschritt. Dunkel gekleidet, mit dunkler Sonnenbrille und gesenktem Blick betrat ich dein Reich und damit dein Leben. Erwarteter knallharter Geschäftsmann, entpuppte sich als großer Junge in Rollkragenpulli und blue Jeans.
Ein verschmitztes, aber sympathisches Lächeln und immer einen zynisch-bösen Spruch auf den vollen Lippen.
Erinnerst du dich, dass ich dir nicht in die Augen schauen konnte? Ob du da schon meine gebrochene Seele erkannt hattest???
Obwohl in deinen blauen Augen die Ruhe eines Waldsees lag, bemühte ich mich, deinen Blick zu meiden.
Obwohl ich wusste, dass von dir keine Gefahr ausgeht, offenbarte ich dir nichts von mir.
Oder habe ich genau DAS getan, ohne es zu merken?

Ich habe nie verstanden, was dich an mir interessiert hat, aber umso besser weiß ich, was mich an dir fasziniert hat und mich auch heute noch immer fasziniert:
Die Fähigkeit, bis in die tiefsten Tiefen meiner Seele vorzudringen, Punkte zu berühren, die niemand zuvor entdeckt hat und besonders, mir gnadenlos den Spiegel vorzuhalten und mich anschließend, in meinem Fall, aufzufangen.
Aber weißt du, was mich am Meisten umgehauen hat? Dein Blick. Du hast diesen Blick, mit dem du mich immer angesehen hast und mit dem du mich auch heute noch anschaust, der sofort durch Mark und Bein geht. Als würdest du das Buch zu meinem Herzen, durch einen einzigen Blick, öffnen…Unbeschreiblich.

Was ist es, das mich immer wieder zu dir treibt?
Warum ignoriere ich jede Alarmglocke, die anfängt zu läuten, wenn es um dich geht?
Warum genügt schon ein Blick von dir, um mich schmelzen zu lassen, wie Schnee an einem warmen Frühlingstag?
Warum genügt nur eine Berührung von dir, um meinen ganzen Körper erzittern zu lassen, wie die Schenkel einer Jungfrau, die sich das erste Mal selbst berührt?
Warum reicht schon ein Wort von dir, um mein Herz zum Hämmern zu bringen, wie die Trommeln eines afrikanischen Stammes, die die Hochzeitsnacht zweier junger Liebender einläuten?
Warum reicht es schon, deine Nähe nur zu spüren und ich brenne so voller Leidenschaft, wie die Sonne an einem Vorabend im Herbst, die zärtlich die Spitzen der roten Blätter liebkost?
Warum bist du das Erste, an das ich denke, wenn ich morgens durch den Kuss der ersten Sonnenstrahlen erwache und das Letzte, bevor der Mond am Abend meine Augenlider senkt?
Warum versuche ich dich verzweifelt zu erreichen, obwohl ich dich doch eigentlich nur vergessen will?

7.11.08 12:18

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